Unter dem Titel „Technology and the Transformations of Political Violence“ fand vom Mittwoch, 20. September, bis Freitag, 22. September, in Darmstadt die dritte interdisziplinäre Konferenz „Science · Peace · Security '23“ statt. Während der dreitägigen Konferenz nahmen fast 120 Wissenschaftler:innen im Georg-Lichtenberg-Haus in Darmstadt an Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen zu aktuellen Entwicklungen in der technischen Friedensforschung teil. Das Programm umfasste mehr als 40 Vorträge und Ideenpitches, Posterpräsentationen, Podiumsdiskussionen, einen Workshop und eine Dialogrunde, die Forschung und Praxis miteinander verband. Neben Wissenschaftler:innen aus Deutschland kamen Teilnehmende aus Großbritannien, Schweden, den USA, Kolumbien, Indien, Italien, der Schweiz, Norwegen, der Tschechischen Republik, dem Irak, Österreich und den Niederlanden.
Die Konferenz wurde von PEASEC in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum „Transformations of Political Violence“ (TraCe) organisiert.



Die Konferenz begann am Mittwoch, 20. September, mit der offiziellen Begrüßung durch den PEASEC-Vorsitzenden und TraCe PI Christian Reuter. Anschließend konzentrierte sich die erste Keynote von Oliver Meier (Europan Leadership Network) auf die Möglichkeiten für Friedens- und Konfliktforschende, aktiv zu werden und politische Prozesse zur Rüstungskontrolle und Abrüstung zu unterstützen.
Die folgenden Tage der Konferenz waren ausschließlich Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen gewidmet. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Vizepräsidenten der TU Darmstadt, Matthias Oechsner, sowie die Organisatoren begann der zweite Tag mit einer weiteren Keynote von Alice Mattoni (Universität Bologna). In ihrem Vortrag stellte sie ihre Forschungsarbeit im Rahmen des Projekts „BIT-ACT“ vor und diskutierte das transformative Potenzial digitaler Technologien im Kampf gegen Korruption, indem sie die in diesen Technologien verankerten demokratischen Ideale hervorhob.


In den folgenden Vorträgen und Diskussionen behandelten die Vortragenden verschiedene Themen wie geopolitische Fragen und (kritische) Infrastrukturen, die normative Kraft staatlicher Maßnahmen oder die europäische Cybersicherheitsstrategie. Darüber hinaus beleuchteten die Redner:innen aktuelle Entwicklungen und Paradigmenwechsel im Zusammenhang mit Cybersicherheit und Cyberoperationen, indem sie autonome Waffensysteme, Mensch-Maschine-Interaktionen, Raketentechnologie oder Sicherheitspolitik vor dem Hintergrund des sogenannten Tech-Kriegs zwischen den USA und China diskutierten. Während einer Postersession am Donnerstag präsentierten 14 Wissenschaftler:innen ihre Forschungsarbeiten, die ein breites Spektrum von der Nutzung digitaler Medien während sozialer Bewegungen über kritische Infrastrukturen und Hassreden bis hin zu Informationskriegführung sowie Abrüstung und Rüstungskontrolle abdeckten.
Mehrere TraCer:innen trugen ebenfalls zu diesen Diskussionen bei, indem sie ihre Forschungsarbeiten vorstellten. Während TraCe PI Markus Lederer einen Vortrag zum Thema „Solar Geopolitics – the shining rise of India“ hielt, präsentierte die neue Visiting Fellow Miyerlandy Cabanzo eine kritische Perspektive auf Fragen im Zusammenhang mit Protesten und Technologien. Die TraCe-Forscherinnen Laura Guntrum, Verena Lasso Mena und Kaya de Wolff stellten ebenfalls Poster aus, auf denen sie ihre aktuellen Forschungsprojekte vorstellten. Während Laura Guntrum und Verena Lasso Mena ihre Forschungsergebnisse zum Thema „Unmasking Digital Threats in the Pursuit of Human Rights and Environmental Defense in La Guajira and Cesar, North Colombia“ vorstellten, gab Kaya de Wolff einen Einblick in „Political Violence, Populism and Social Media in Brazil“.




Ein besonderer Höhepunkt des zweiten Konferenztages war die TraCe-Diskussionsrunde mit dem Titel „ICT4Peace - The Role of Information and Communication Technology in (Digital) Peacebuilding“. Moderiert von Markus Lederer und Laura Guntrum, die auch an der Diskussion teilnahm, richtete sich die Runde speziell an das interessierte Publikum außerhalb des akademischen Bereichs.


Die Panelist:innen diskutierten die Möglichkeiten und Risiken der digitalen Friedensförderung und hoben verschiedene Aspekte in Bezug auf die Bedürfnisse von Praktiker:innen und wissenschaftlicher Forschung hervor. Dabei betonten sie das Potenzial digitaler Technologien für einen besseren Zugang zu Friedensförderungsprozessen. Während Kerem Tugberk Capraz (Berghof Foundation) darauf hinwies, wie selbst gängige technologische Produkte die Verbindung zu den Akteuren in Friedensprozessen vereinfachen, indem sie Geschichten sammeln und archivieren, nahm Laura Guntrum eine Gender-Perspektive ein und hob hervor, wie Technologie ein größeres Engagement der Gemeinschaft ermöglichen kann, insbesondere für Frauen und marginalisierte Gruppen. Charles Martin-Shields (Deutsches Institut für Entwicklung und Nachhaltigkeit) betonte ebenfalls das integrative Potenzial von Technologie bei der Arbeit mit Flüchtlingen und Vertriebenen, wies jedoch auch auf die Schwierigkeiten hin, die Kluft zwischen den Beschränkungen auf institutioneller Ebene und den kreativen und oft sehr spezifischen Bedürfnissen der Gemeinschaften zu überbrücken. Fabian Hofmann (Geneva Graduate Institute) betonte schließlich, wie wichtig es ist, eine kritische Distanz zum Reiz der digitalen Technologie zu gewinnen. Er wies auf die Materie der Technologie hin, die oft bereits Konflikte wie Umweltkosten oder Menschenrechtsverletzungen während der Produktion beinhaltet.
Eine Aufzeichnung der Podiumsdiskussion ist auf dem YouTube-Kanal von TraCe verfügbar.


Die Konferenz „Science Peace Security“ wurde zum dritten Mal organisiert und hat zum Ziel, die wissenschaftliche und technische Friedens- und Konfliktforschung zu stärken.
Weitere Informationen zum diesjährigen Programm finden Sie hier.