Das Forschungsfeld Institutionen beschäftigt sich mit der Ambivalenz internationaler Institutionen: Einerseits dämmen Institutionen Gewaltanwendung ein, andererseits rechtfertigen sie Gewaltanwendung.
Neben einer historischen Analyse werden in diesem Forschungsfeld empirische Untersuchungen zur Rolle internationaler Organisationen durchgeführt, wobei die These der De-Institutionalisierung von Gewalt eine zentrale Rolle spielt. Zudem wird die Frage diskutiert, wie institutionelle Regelungen am besten gestaltet werden können, um neue Formen politischer Gewalt zu erfassen. Ein gemeinsamer Schwerpunkt der Forschenden in diesem Bereich liegt seit 2026 auf der Erforschung von Gewalt im Zusammenhang mit der sich verändernden internationalen Friedens- und Sicherheitsarchitektur.
Die relevantesten Publikationen aus dem Forschungsfeld Institutionen sind auf der Publikationsseite „Highlights“ zusammengestellt.
Der Arbeitsschwerpunkt Gewalt im Kontext der internationalen Friedens- und Sicherheitsarchitektur untersucht, wie bewaffnete Konflikte und politische Gewalt innerhalb der internationalen Friedens- und Sicherheitsarchitektur geprägt, reguliert und gerechtfertigt werden. Forschende analysieren historische und gegenwärtige Transformationen in den Institutionen, Normen und Praktiken, die Gewalt sowohl begrenzen als auch ermöglichen. Außerdem fragen sie danach, wie sich verschiebende Grenzen zwischen Konflikt und Frieden auf die Steuerung politischer Gewalt auswirken. Darüber hinaus untersuchen sie, wie neue Akteure, Technologien und Formen der Kriegsführung bestehende Rahmen internationaler Friedens- und Sicherheitspolitik herausfordern. Dabei liegt ihr Fokus auf hybrider Kriegsführung, neuen und Dual-Use-Technologien, informeller Normbildung, rechtlichen Rechtfertigungen von Gewalteinsatz sowie institutionellen Reaktionen auf koloniale Gewalt, territoriale Nachkriegsverwaltung und konkurrierende Friedensvorstellungen. Über diese Themen hinweg zeichnen die Forschenden nach, wie Praktiken von Gewalt, Verantwortung und Friedenskonsolidierung in sich wandelnden politischen und institutionellen Kontexten neu ausgehandelt werden.
Das Arbeitspaket Intervention und Interventionsverbot im Kontext der De-Kolonialisierung untersucht aus historischer Perspektive, wie Interventionen in Lateinamerika nach 1800 entweder gerechtfertigt oder verboten wurden. Dabei steht vor allem die sogenannte Monroe-Doktrin und ihre Interpretationen im Fokus.
Das Arbeitspaket Rechtfertigung externer Intervention als Prozess einer problematischen Normalisierung von Gewalt analysiert Ursachen und Folgen der „Normalisierung“ von Gewalt, die sich durch neue Interpretationen des UN-Gewaltverbots vollzogen haben. Die Forschenden gehen außerdem der Frage nach der institutionellen Einhegung von Gewalt nach und nehmen auch Ausnahmen, die die Anwendung von Gewalt in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten erlaubten, in den Blick.
Das Arbeitspaket Einhegung neuer Gewaltakteure beleuchtet die Verschränkung von humanitärem Völkerrecht und Menschenrechten. Die Forschenden untersuchen, inwiefern institutionelle Mechanismen zur Einhegung politischer Gewalt aufgrund neuer Gewaltakteure nur noch eingeschränkt greifen, wie Grenzen zwischen unterschiedlichen Konflikttypen verschwimmen und welche Antworten darauf entwickelt werden können. Darüber hinaus analysieren sie, wie sich der Umgang internationaler Organisationen mit und die Befriedung von neuen Gewaltakteuren im Rahmen von Peacekeeping und Peacebuilding Aktivitäten gewandelt hat.