Am 12. November veranstaltete Thilo Marauhn ein digitales TraCe-Forschungskolloquium, das sich mit der komplexen Frage der Inhaftierung in nicht-internationalen bewaffneten Konflikten befasste und Beispiele wie die FARC in Kolumbien und den Islamischen Staat heranzog. Während der rechtliche Rahmen für Kriegsgefangene in internationalen bewaffneten Konflikten gut etabliert ist, fehlen vergleichbare Regeln für nichtstaatliche Akteure, die Zivilisten oder Nicht-Zivilisten einer Konfliktpartei inhaftieren. Die Teilnehmer:innen untersuchten, wie sich das Fehlen von Regelungen auf das Verhalten von Staaten und nichtstaatlichen Akteuren auswirkt. Die Diskussion hob die Spannung zwischen humanitären Belangen und politischer Legitimität hervor: Staaten widersetzen sich der Formalisierung von Regeln, die bewaffneten Gruppen Legitimität verleihen könnten. Gleichzeitig kann das Fehlen von Normen negative Anreize schaffen, bis hin zur Tötung von Gefangenen.
Die Gruppe diskutierte mögliche Wege zur Entwicklung humanitärer Mindeststandards oder „paralleler“ Rahmenbedingungen für nichtstaatliche Akteure und erkannte dabei sowohl das pragmatische Potenzial als auch die rechtlichen und ethischen Risiken an. Es wurden Fragen zur Unterscheidung zwischen Inhaftierung und Entführung sowie zu den Auswirkungen auf Rechenschaftspflicht, Amnestie und humanitäre Praxis aufgeworfen. Die Diskussion wies auf zukünftige Forschungsarbeiten zu Mustern außergerichtlicher Inhaftierung, zur Rolle humanitärer Organisationen und zur Notwendigkeit der Gewaltprävention in Kontexten schwacher oder fragmentierter Rechtsordnungen hin.
Wir haben uns sehr gefreut, dass unser aktueller TraCe-Fellow León Castellanos-Jankiewicz, Experte für internationales Recht, an unserer Diskussion im Rahmen dieses Kolloquiums teilgenommen hat.