Etwa 150.000 Kinder wurden im kanadischen Residential School System für Indigene (1831 bis 1996) physischer, sexueller und emotionaler Gewalt, Mangelernährung und Zwangsarbeit ausgesetzt. Von 2009 bis 2015 untersuchte die Truth and Reconciliation Commission of Canada (TRC) ihr Schicksal. Vor zehn Jahren veröffentlichte sie ihren Abschlussbericht und machte das zerstörerische Erbe der Residential Schools sichtbar: Ziel war nicht Bildung, sondern die Zerstörung der indigenen Identität der Kinder. Darüber hinaus formulierte sie 94 Calls to Action – konkrete Empfehlungen für Heilung, Gerechtigkeit und Aussöhnung.
Was ist ein Jahrzehnt später daraus geworden? Wie viele dieser Empfehlungen wurden umgesetzt? Besteht der politische Wille zur Aufarbeitung noch – oder ist er längst im Stillen erlahmt? Diese Fragen werden nun an den neu gewählten Premierminister Mark Carney und seine Regierung gerichtet.
Der neunte TraCe Policy Brief von Rita Kopp nimmt die Arbeit der Kommission, die politischen Fortschritte und die weiterhin bestehenden Herausforderungen erneut in den Blick.
Das Policy Brief ist in englischer Sprache als PDF zum Download verfügbar.
Rita Kopp vom Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) ist TraCe Associate Fellow. Sie forscht zur kolonialen Gewaltgeschichte Kanadas und arbeitet im Forschungsfeld Interpretationen: 3.1 Deutung von Gewalt.