Die Verbreitung von Normen über Zeit und Raum hinweg führte zu einer beunruhigenden Ironie: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queers (LGBTIQ+) in Kenia – einst Opfer kolonialer Gewalt – werden nun selbst als Kolonisierende dargestellt. Kenianische LGBTIQ+-Personen werden oft als „unafrikanisch“ oder als „Importe aus dem Westen“ bezeichnet. Diese Darstellung schürt Diskriminierung und Gewalt und trägt dazu bei, Übergriffe auf LGBTIQ+-Personen zu rechtfertigen.
Die Erzählung, LGBTIQ+-Personen seien „unafrikanisch“, hat damit tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben und den Lebensunterhalt der Betroffenen. Im neuen TraCe Working Paper zeigen Mariel Reiss und Āryā Jeipea Karijo, wie stark diese Dynamiken vom langen Schatten kolonialer Gewalt geprägt sind – und machen deutlich, wie diese Strukturen bis heute Bestand haben, auch wenn sich Kontext, Akteure und Formen der Gewalt verändert haben. Hierfür greifen sie auf die Konzepte der Normdiffusion zurück und zeigen, dass die zugrunde liegenden Kräfte, die in Kenia am Werk sind tief in globalen Anti-LGBTIQ+-Bewegungen verankert sind.
Das englischsprachige Working Paper ist als Download (PDF) verfügbar.