Am 6. November war TraCe zu Gast bei der Reihe „Crisis Talks“ in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel. Das Thema der Podiumsdiskussion, bei der Jonas Wolff die Keynote hielt und anschließend auf dem Podium saß, lautete „Menschenrechte unter Druck: Wie kann die EU zivilgesellschaftliches Engagement in Zeiten globaler Machtverschiebungen stärken?“.
Parinas Parhisi, Leiterin des Referats für Grundsatzfragen der Vertretung des Landes Hessen bei der EU, begrüßte zur Veranstaltung.
Jonas Wolff zeichnete in seiner Keynote zunächst das Engagement der diesjährigen Preisträgerin des hessischen Friedenspreises nach. Die Kleinbäuerin aus Kolumbien Jani Silva engagiere sich seit über 40 Jahren für die Rechte und die Selbstorganisation ihrer lokalen Gemeinschaft – und sei dafür anhaltenden Morddrohungen ausgesetzt. Jani Silvas Situation stehe exemplarisch für viele andere: Doch nicht nur Morddrohungen, auch andere Formen der Gewalt tragen dazu bei, dass zivilgesellschaftliches Engagement weltweit immens unter Druck gerate. Hinzu komme, dass der Schutz von Menschenrechts- und Umweltverteidiger:innen eng mit europäischen Strukturen, Konsummustern und Rohstoffketten verwoben sei. Gleichzeitig schwächen globale Machtverschiebungen internationale Menschenrechtsbemühungen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion betonte Lukas Mandl, Abgeordneter des Europäischen Parlaments, die Notwendigkeit von Bürokratieabbau, um die Wirksamkeit von Menschenrechtsbemühungen zu gewährleisten. Zudem sprach er die Themen Wirtschaft und Sicherheit an: Nur ein starkes Europa könne die eigenen Werte nach außen hin verteidigen.
Um die Kohärenz bestehender EU-Menschenrechtspolitiken ging es in dem vorangegangenen von TraCe organisierten Workshop zu zivilgesellschaftlichem Engagement und Gewalt, von dem Tina Cramer anschließend Einblicke teilte. In einem dialogischen Aufbau haben Teilnehmende aus Forschung, Zivilgesellschaft und Politik sich über konkrete Gewaltformen und Bedrohungen für zivilgesellschaftliche Akteure sowie politische Handlungsspielräume ausgetauscht.
Abgerundet wurde die von Ralph Sina moderierte Podiumsdiskussion durch Publikumsfragen, die die Relevanz des Themas unterstrichen – und auch die umkämpfte Lage der Menschenrechte innerhalb Europas in den Blick nahmen. Die Veranstaltung brachte knapp hundert Personen aus verschiedenen Bereichen in Brüssel zusammen.
Über die Veranstaltungsreihe: In der Reihe „Crisis Talks“ geht das Leibniz-Forschungsnetzwerk „Umweltkrisen - Krisenumwelten“, koordiniert vom Peace Research Institute Frankfurt, gemeinsam mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen” der Goethe-Universität Frankfurt und der Hessischen Landesvertretung in Brüssel der Frage nach, wie Europa mit seinen aktuellen und vergangenen Krisen umgehen sollte, um sie produktiv zu nutzen.
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