Warum Konflikte aus dem Blick geraten

TraCe-Dialogpanel inspiriert Masterarbeit von Deborah Feldeisen

Warum erhalten manche inner­staatlichen bewaffneten Konflikte dauerhaft mediale Aufmerk­samkeit, während andere trotz vergleichbarer Intensität aus den Nach­richten verschwinden? Dieser Frage ist Deborah Feldeisen in ihrer Master­arbeit nachgegangen. Die Arbeit entstand im Master­studiengang Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung an der Goethe-Universität Frank­furt am Main. Die Idee für das Thema entstand infolge des TraCe-Dialog­panel „Darstellungen exzessiver Gewalt – zwischen Ver­störung und Attraktion“, das am 30. Oktober 2024 in Ko­operation mit der KUNSTHALLE GIESSEN die dritte TraCe-Jahres­konferenz eröffnete. Eine Publikums­frage im Rahmen des Dialog­panels umfasste den Wunsch, mithilfe medialer Bericht­erstattung umfassend über das Weltgeschehen informiert zu sein. Doch Themen kon­kurrieren um begrenzten medialen Raum. Aus diesem Spannungs­verhältnis entwickelte Deborah Feld­eisen ihre Masterarbeit zur ungleichen medialen Sicht­barkeit von Konflikten.

Unter dem Titel „Un­sichtbare Kriege, laute Schlagzeilen. Mediale Ver­nachlässigung von Konfliktissues“ untersuchte sie, ob die von Rebellen­gruppen öffentlich formulierten Ziele mit dem Umfang der Bericht­erstattung über innerstaatliche bewaffnete Konflikte zusammen­hängen. Mithilfe von quantitativer Daten­analyse nahm sie die Berichterstattung der Frankfurter All­gemeinen Zeitung und der Süd­deutschen Zeitung im Zeitraum von 2013 bis 2017 in den Blick. Dabei zeigte sich, dass Forderungen nach Ver­änderungen staatlicher Strukturen und nach poli­tischen Rechten mit höherer erwarteter Bericht­erstattung verbunden sind, während territoriale und ressourcen­bezogene Konflikte mit geringerer Bericht­erstattung korrelieren. 

Als mögliche Er­klärung diskutiert die Arbeit die unter­schiedliche journalistische Anschluss­fähigkeit der Themen. Forderungen nach einem Regime­wechsel oder nach politischen Rechten lassen sich häufig leichter mit be­kannten Akteur:innen, klaren Konflikt­linien und normativen Fragen verbinden. Lokale Gebiets­ansprüche oder komplexe Verteilungs­fragen sind dagegen oft erklärungs­bedürftiger und schwerer zu visualisieren. Die Arbeit wurde von Constantin Ruhe und Stefan Kroll betreut und mit der Best­note bewertet.