Russland, China, USA: Wie die jüngsten Entwicklungen zeigen, testen Großmächte derzeit verstärkt die Grenzen aus, wie weit sie ihre Machtansprüche gegenüber anderen Staaten durchsetzen können. Dafür nutzen sie sowohl wirtschaftlichen als auch politischen Druck und machen immer weniger Unterschied zwischen zulässigen und unzulässigen Mitteln.
Am 8. Juli 2026 tauschten sich TraCe-Forschende, Studierende und Gäste über diesen „Neuen Interventionismus“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen aus.
In der ersten von zwei Diskussionsrunden diskutierten Lisbeth Zimmermann, Raphaël Cahen und Hendrik Simon über das Ausloten von Grenzen der Gewaltfreiheit und Nichteinmischung. Das Gespräch konzentrierte sich vor allem auf die diversen Formen, die Interventionismus in der Geschichte angenommen hat und heute annimmt, den Wandel der Rechtfertigungsstrategien sowie die sich verändernden Handlungsmöglichkeiten der Vereinten Nationen.
In der zweiten Diskussionsrunde gingen die Gäste Barry de Vries (JLU) und Katja Schöberl (Deutsches Rotes Kreuz) der Frage nach, welche Implikationen das Konzept der „Neutralität“ für Staaten hat, die nicht direkt in bewaffnete Konflikte verwickelt sind – auch im Hinblick auf ihre humanitäre Verantwortung. Die anschließende Diskussion thematisierte die jüngsten Angriffe Irans auf die Golfstaaten, die sich selbst als neutral begreifen, durch die Stationierung von US-Militär allerdings selbst zum Ziel von Irans Angriffen werden.
Abschließend betonte Organisator Thilo Marauhn die Notwendigkeit, dass Regierungen konsequent für das geltende Recht eintreten sollten.
Die Veranstaltung endete mit einem informellen Austausch.
