Kolloquium und Verbundtreffen

Digitaler Austausch zu kolonialer Gewalt, LGBTIQ+-Aktivismus und weiterer Verbundarbeit

Am 12.12.2025 fanden Forschungs­kolloquium und Verbund­treffen, organisiert vom Team am Marburger Stand­ort, digital statt. Nach einer Begrüßung durch Thorsten Bonacker eröffnete Núrel Bahì Reitz das Kolloquium inhaltlich mit ihrem Vortrag „Engaging with German colonial violence in Namibia and Tanzania“. Darin dis­kutierte sie den Umgang mit den Kolonial­verbrechen der Deutschen während des Maji-Maji Auf­stands in Tansania (1905-1907) und nahm ins­besondere die seit 2010 staatlich organisierten Formen des Er­innerns in den Blick. Sie schilderte den Besuch eines Erinnerungsfestivals während ihrer Feld­forschungen, das Trauer und Fest mit­einander verband, und arbeitete die daraus ent­stehenden Spannungen zwischen lokaler und staatlicher Or­ganisation sowie touristischer Kommerziali­sierung und dem An­spruch respektvoller Erinnerung an getötete Vor­fahren heraus. Die Dis­kussion ver­knüpfte diese Beobachtungen mit der po­litischen Gewalt im Anschluss an die tansanischen Wahlen im Oktober 2025, mit glo­balen Dynamiken des „Dark Tourism“ und Ver­gleichen zur Fall­studie in Namibia. Im zweiten Teil des Kolloquiums, mo­deriert von Kristine Andra Avram, prä­sentierte Mariel Reiss ihre Forschung zu „Trans­forming violence, transforming spaces. LGBTIQ+ activism in eastern and southern Africa”. An­hand von Beispielen aus Kenia und Namibia zeigte sie, wie LGBTIQ+ Akti­vismus zunehmend durch Re­striktionen, politische Gewalt und anti-LGBTIQ+-Normen be­droht wird. Be­sonderes Augenmerk richtete sie auf die Ver­schränkung lokaler Akteure mit glo­balen Einflüssen, darunter evangelikale Gruppen mit neo­kolonialer Rhetorik. Die Dis­kussion thematisierte Differenzen innerhalb des Aktivis­mus, die strategische Rahmung gegnerischer Normen als „family friendly“ sowie den großen Ein­fluss der USA. 

Im An­schluss an das Kolloquium fand das letzte Verbund­treffen der laufenden Förder­phase statt. Annika Elena Poppe moderierte den digitalen Austausch der Wissenschaftler:innen. Nach einem kurzen Be­richt aus der TraCe Koordination, in dem Annika Elena Poppe auch über die be­willigte Anschlussförderung für zwei weitere Jahre berichtete, arbeiteten die Teil­nehmenden in Breakout-Sessions inner­halb ihrer jeweiligen Forschungs­felder zentrale Schlüsselpublikationen der ersten Förderphase heraus. Zu­gleich richteten sie den Blick nach vorn: Für die kommende Förder­phase identifizierten sie in­haltliche Anschlusspunkte zwischen ihren Forschungs­themen und den neuen Querschnitts­themen Gewalt gegen Aktivist:innen, Hybri­disierung des Krieges und Gerechtigkeit und Rechtfertigung.