Neues Handbuch der Friedens- und Konfliktforschung mit TraCe-Beteiligung

„The Local Turn and the Global South in Critical Peacebuilding Studies“ erscheint Open Access

Das Rowman & Littlefield Handbuch „Handbook of Peace and Conflict Studies – Perspectives from the Global South” ist erschienen und frei zugänglich (Open Access). Der Sammelband, herausgegeben von Siddharth Tripathi und Solveig Richter, hat den Anspruch, die ursprünglich westlich geprägte Friedens- und Konfliktforschung pluralistischer zu gestalten. Eine neue Forschungsagenda soll stärker in den Realitäten, Kontexten und Vorstellungen – politisch, wirtschaftlich und sozial – des Globalen Südens verwurzelt werden. Dieses Handbuch ist das erste seiner Art mit einer umfassenden und inklusiven Agenda für den Bereich der Friedens- und Konfliktforschung. Entstanden im Kontext des BMFTR-Netzwerks Postcolonial Hierarchies in Peace and Conflict haben TraCe-Forschende mit einer Reihe von Kapiteln zu dem Handbuch beigetragen.

In dem Kapitel „Looking Beyond Peace and Conflict Studies: The Global South(S) in Other Disciplines” nimmt Thorsten Bonacker gemeinsam mit Tareq Sydiq die Forderung nach einer “globalen” Forschungsperspektive in den Blick. In Soziologie, Geschichte und Internationalen Beziehungen werde das Konzept “Globaler Süden” häufig genutzt, um Eurozentrismus und Machtverhältnisse in der Wissensproduktion anzuprangern. Dabei wollen manche den bestehenden, nördlich geprägten Kanon nur mit Wissen aus dem Globalen Süden ergänzen, andere wollen Disziplinen grundlegend umbauen und wirklich “globale” Disziplinen schaffen, in denen die Trennung Nord/Süd überwunden wird.

Jonas Wolff trägt mit seinem Kapitel „The Local Turn and the Global South in Critical Peacebuilding Studies” zum Handbuch bei. Er zeigt, wie die Friedensforschung zunehmend lokale Perspektiven und Erfahrungen aus dem Globalen Süden einbezieht und damit traditionelle, westlich geprägte Top-down-Ansätze der Friedensförderung in Frage stellt. Das Kapitel diskutiert die Bedeutung dieses „Local Turn” und dessen Konsequenzen für die Theorie und Praxis von Friedensprozessen.

Hanna Pfeifer thematisiert in ihrem Kapitel „The Politics of Naming, Epistemology, and the Study of ‘Armed Non-state Actors’ in the ‘Middle East’” den anhaltenden Streit um die Bedeutung des Begriffs „Terrorismus“. Aus konstruktivistischer Perspektive ginge es weniger um die Frage, ob eine Gewalttat objektiv als Terrorismus einzustufen ist. Vielmehr ginge es darum, unter welchen Bedingungen das Phänomen entstehen kann, wer an dieser Entstehung beteiligt ist und wer nicht, und welche Auswirkungen diese Konstruktion in Bezug auf politische Macht hat.

In ihrem Kapitel „Challenging Peacebuilding from a Postcolonial Perspective” nutzen Kristine Andra Avram, Susanne Buckley-Zistel und Alexandra Engelsdorfer bestehende postkoloniale Ansätze, um das Konzept von Frieden und Friedensförderung aus einer nicht-westlichen Perspektive zu kritisieren. Die Reflexion der Konzepte von Binärität, Zeitlichkeit, Linearität und Räumlichkeit steht dabei im Fokus. Diese soll dazu beitragen, eine sogenannte westlich geprägte Sichtweise auf die Frieden, Konflikt und Friedensförderung zu überwinden.

Das gesamte Handbuch ist hier zu finden: The Rowman & Littlefield Handbook of Peace and Conflict Studies: Perspectives from the Global South