Welche Mechanismen bestimmen die Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit von Gewalt? In welchen Kontexten wird Gewalt dokumentiert, instrumentalisiert oder zensiert – und wie lässt sie sich wissenschaftlich untersuchen?
Diese Fragen bilden die Basis für das sechste TraCe Working Paper in Kooperation mit der KUNSTHALLE GIESSEN. Das Working Paper geht aus der Zusammenarbeit im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung „(Un)Sichtbarkeit von Gewalt“ in der KUNSTHALLE GIESSEN hervor. Es vereint zehn Beiträge von TraCe Forschenden und Kunsthallendirektorin Nadia Ismail. Während einige der Beiträge Themen der Ausstellung aufgreifen, erweitern andere die künstlerisch bearbeiteten Themen durch empirische und theoretische Reflexionen oder geografische Schwerpunkte. In ihrer stilistischen und inhaltlichen Unterschiedlichkeit spiegeln die Texte die Interdisziplinarität der Beteiligten wider.
In der Einleitung führen Larissa-Diana Fuhrmann (PRIF) und Tina Cramer (PRIF) zunächst in das Thema des Working Papers und die Themen der Beiträge ein. Der erste Beitrag von Laura Guntrum (TU Darmstadt), Verena Lasso Mena (TU Darmstadt) und Jonas Wolff (Goethe-Universität Frankfurt) handelt von häufig unsichtbarer Gewalt gegen soziale Aktivist:innen. Der zweite Beitrag von Regine Schwab (PRIF) thematisiert bürokratische Gewalt am Beispiel systematischer Enteignungen durch Gesetze und Dekrete durch das syrische Assad-Regime.
Im folgenden Beitrag zeichnet Hannah Ahlheim (Justus-Liebig-Universität Gießen) die Geschichte und Entwicklung des Traumakonzeptes seit 1945 anhand der Lebenswege zweier Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen nach. Daran anschließend setzt sich Kunsthallendirektorin Nadia Ismail ebenfalls mit Traumata auseinander und behandelt in ihrem Kapitel deren künstlerische Aufarbeitung in der Gegenwartskunst. Sabine Mannitz (PRIF) untersucht in ihrem Beitrag die Gewalt gegen indigene Frauen und Mädchen in Kanada und zeigt auf, wie durch künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum Sichtbarkeit geschaffen wird. Sara-Luise Spittler (TU Darmstadt) analysiert anhand eines Protestplakats von 1978 die Protestkultur des sogenannten Freiburger Häuserkampfes.
Larissa-Diana Fuhrmann (PRIF) behandelt die mediale Unsichtbarmachung staatlicher Gewalt im Sudan und zeigt Versuche von Künstler:innen auf, dem entgegenzuwirken. Thilo Marauhn (Justus-Liebig-Universität Gießen) widmet sich der Gewalt gegenüber Soldat:innen im Krieg und diskutiert anhand dessen die Legitimation bestimmter Gewaltformen. Zuletzt thematisiert Anika Oettler (Philipps-Universität Marburg) in ihrem Beitrag, wie Gewalt in einem Militärmuseum in Bogotá auf ungewöhnliche Weise sichtbar gemacht wird und dabei die gewohnte Gegenüberstellung von Opfern und Tätern hinterfragt.
Das Working Paper ist als Download (PDF) in deutscher Sprache verfügbar.
Die kostenlose Ausstellung „(Un)Sichtbarkeit von Gewalt“ wird am 22. August 2025 eröffnet. Zur Ausstellung wird zudem ein ausführliches Journal zur Vertiefung der Ausstellungsthemen erscheinen.
Die Ausstellung kann bis zum 2. November 2025 in der KUNSTHALLE GIESSEN besichtigt werden. Zur Ausstellung gibt es außerdem ein abwechslungsreiches Begleitprogramm.